Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

Die hippen Geschäfte in Mitte kennt man. Die coolen Clubs auch. Und bei den Pubcrawls nehmen sie ohnehin jeden mit. Doch in Berlin gibt es viel mehr zu entdecken und gerade im Sommer ist die Stadt an der Spree die Haupstadt der Bikinistreifen. Hier die besten Plätze zum Sommersprossenzüchten.
Volkspark Friedrichshain
Sonntags im ältesten öffentlichen Park der Stadt: Schriftsteller Maxim Biller sitzt mit einer jungen Frau am Teich. Er liest ihr vor – aus seinem Buch? Jessica Schwarz trägt eine rote Lolitaplastikbrille, dazu ein sehr lautes, heiseres Lachen. Und Max Herre hat sein Hemd bis zu den Rippen aufgeknöpft. Unter seinem Arm klemmt das Skateboard seines Sohnes. Oder sein eigenes. Das wäre gar nicht ungewöhnlich. Im Volkspark Friedrichshain mit seinem großen und kleinen Bunkerberg, den Wiesen und dem Teich beim Café Schönbrunn, begegnet man nämlich nicht nur der Prominenz der Stadt, sondern auch massenweise Sportlern. Und während ein Teil der Sonnenhungrigen nur faul auf der Wiese liegt, auf den Wegen flaniert, grillt oder am Märchenbrunnen knutscht, gehen die anderen Inlineskaten, Joggen, Klettern am Boulderfelsen oder spielen Volleyball. Der Kiosk und die Eisdiele bieten alles an, was einem durch die verschiedenen Launen des Tages hilft – von katerdurstig über mittagshungrig bis partylaunig. Und wer einen Platz auf der Terrasse des Schönbrunn, einem ehemaligen DDR-Pavillion, ergattert, kann nicht nur Promis gucken sondern auch köstlichen Kuchen und riesige Schnitzel futtern.

Wann am besten: Je nachdem, ob man Trubel sucht oder eine Ruhe mag, am Sonntagnachmittag oder an jedem Abend unter der Woche.

Was nimmt man mit: Das Buch von Peter Unfried, stellvertretender Chefredakteur der TAZ: „Öko – Al Gore, der neue Kühlschrank und ich“ (Dumont) und eine karierte Picknickdecke der britischen Firma Tweedmill.

Wie kommt man hin: Mit den öffentlichen Verkehsrmitteln zum Alex und von dort weiter zu Fuß. Der 200er Bus fährt auch direkt am Park entlang.

Wer ist schon da: Daniel Brühl. Immer. Und ein Großteil der schönen Mitte-Berliner.

Adresse: Am Friedrichshain, 10407 Berlin.

Galopprennbahn Hoppegarten
Der Himmel hat sich sein blaues Festtagskleid angezogen. Die Sonne schmiegt sich an die betagten Backsteinmauern des Tribünenhauses und die Blätter der alten Bäume tuscheln aufgeregt: Es ist Renntag im Hoppegarten. 1868 eröffnet, war die Galopprennbahn bis zum Mauerbau eine der wichtigsten in Europa und ein Treffpunkt für Adel, Bürgertum und Wettganoven gleichermaßen. Doch auch heute noch sind es die Besucher, die einen großen Teil zum Charme der Rennen beitragen: Kleine Männer mit großen Hüten, die sich mit verschmitztem Gesicht Tipps zuflüstern. Anglophile Berliner mit Tupfenkleidern und Tweedanzügen. Großfamilien mit herumtobenden Kindern und Paare, die sich von der letzten Clubnacht erholen. Alles ist ein bisschen schäbig, ein wenig veraltet. Dafür kostet der Sekt nur 2,50 Euro, die Kaninchenrouladen einen Euro mehr und Wetten kann man schon ab 50 Cent. Bis zu acht Rennen sind es pro Veranstaltung. Wer noch nie auf ein Pferd gesetzt hat, findet alle Informationen zum Wettsystem im Programm – inklusive Tipps für die Favoriten. Der Ablauf ist immer der gleiche: Erst werden die Pferde im Führring gezeigt. Dann sitzen die Jockeys mit ihren satinglänzenden, bunten Jacken auf und reiten den Weg hinauf zur Rennbahn. Die letzten Wetten werden angenommen. Dann startet das Rennen. Und ist schneller vorbei, als man die Beschreibungen der Pferde im Programm lesen kann. Einige jubeln, andere zerreissen ihre Wettscheine. Und auf geht’s zum nächsten Rennen.

Wann am besten: Es gibt im Moment nur einen Renntag pro Monat, entweder Samstags oder Sonntags. Die Termine findet man auf der Website.

Was nimmt man mit: Eine Decke, einen Picknickkorb und wer angeben will, eine Tageszeitung mit Vorraussagen für die Rennen.

Wie setzt man: Entweder man verlässt sich auf die Tipps im Programm. Das gibt aber meist schlechtere Quoten. Wem es egal ist, ob er gewinnt oder verliert, setzt zum Beispiel auf Pferde mit doofen Namen oder alle Jockeys, die Grün tragen.

Wie kommt man hin: Die S5 fährt bis Bahnhof Hoppegarten. Bis zur Rennbahn ist es dann nur ein kurzer Fußweg.

Wer ist schon da: Gutgelaunte Wettprofis, die nach der Regel „Wer gewinnt, gibt ’ne Runde aus“ den Tag vorbeiziehen lassen und ein paar Neurreiche. Letztere halten sich aber nur in der VIP- Lounge auf.

Adresse: Goetheallee 1, 15366 Hoppegarten. Eintritt 6-8 Euro.

Neuer Garten Potsdam
Sie werden die Nackten nicht los: Auch wenn die Stadt Potsdam es nicht gerne sieht, erinnern Sommertage im Potsdamer Park Neuer Garten an ein Hippie-Festival. Zwischen einigen der schönsten historischen Bauten, die Berlins Umland zu bieten hat, und nach englischem Vorbild angelegten Grünflächen wird gepicknickt, gegrillt und der bloße Po in die Sonne oder den Heiligen See gehalten. Doch auch, wer nur Lust hat, ein wenig zu flanieren, ist im Park richtig. Auf den über 100 Hektar Land stehen unter anderem das zum Hotel umfunktionierte Schloss Cecilienhof, in dem 1945 bei der Konferenz von Potsdam die Staats- und Regierungschef der Alliierten tagten, die Gotische Bibliothek und das pittoreske Marmorpalais. Die ägyptisch anmutenden Formen mancher Gebäude haben ihren Ursprung in der Zugehörigkeit Friedrich Wilhelm des Zweiten zum Bund der Freimaurer – so auch die Pyramide von 1792, die als Kühlschrank diente.

Wann am besten: Wochentags findet man ohne Probleme ein ruhiges Plätzchen am Wasser.

Was nimmt man mit: Badesachen, Fotoapparat und Stullen. Bildungshungrige blättern im Reiseführer „Marco Polo – Potsdam mit Umgebung“ (Mairdumont).

Wie kommt man hin: Die S-Bahn fährt bis zum Potsdamer Hauptbahnhof. Von dort geht es mit der Tram 96 bis Reiterweg/Alleestrasse. Ab Reiterweg fährt der Bus 692 bis zur Haltestelle Neuer Garten.

Wer ist schon da: Verfechter der Freikörperkultur und händchenhaltende Paare.

Adresse: Am Neuen Garten, 14469 Potsdam.

Hausbootfahrt Müritz
Die Müritz in Mecklenburg-Vorpommern ist der zweitgrößte See Deutschlands und es gibt keine bessere Art, dort zu baden und die Seenplatte mit ihren vielen Seen, Kanälen und stillen Ufern zu erkunden, als mit dem eigenen Boot. Die Hausboote sind schnittig, haben bis zu zehn Schlafplätze und eine kleine Küche – man ist also unabhängig und kann sich sprichwörtlich treiben lassen. Die Stadt Waren und das Schloss Rheinsberg sind gute Ziele für einen Landgang. Wer Zeit hat, kann sogar von der Müritz über Havel und Spree bis nach Berlin schippern. Um auch in der Innenstadt herumzutuckern, braucht man allerdings einen Bootsführerschein. Dann kann man dort anlegen, wo es einem gefällt. Zum Beispiel in der Nähe des Clubs, in dem man die Nacht durchfeiern möchte. Das Bett steht dann quasi vor der Tür. Aber auch ohne Bootsführerschein sind Tage auf dem Hausboot möglich und die Gewässer rund um die Stadt sind das perfekte Revier. Auf dem Boot vom leisen Schwappen der Wellen geweckt werden, sich einen Kaffee machen und an Deck trinken, während die Sonne die Luft wärmt und dann zum Wachwerden ins Wasser zu springen, ist pures Glück. Die Zeit steht still und es scheint, als hätte man die Welt für sich gepachtet.

Wann am besten: Sobald das Thermometer die 25-Grad-Marke überschritten hat.

Was nimmt man mit: Vorräte für ein paar Tage und das Kochbuch „Speiseplan“ (Himmelblau). Das Buch mit seinen einfachen und leckeren Rezepten ist eigentlich für Segler gedacht, taugt aber auch für einen mehrtägigen Hausbootausflug. Verliebte schmökern gemeinsam in „Von Rheinsberg bis Gripsholm“, einer Sammlung von Tucholsky-Geschichten (Aufbau).

Wie kommt man hin: Von Berlin dauert es etwa zwei Stunden mit dem Auto an die Müritz.

Wo fährt man lang: Von der Müritz oder von Potsdam bis nach Berlin. Mit dem Boot bekommt man auch Schiffskarten, mit denen man sich leicht orientieren kann.

Was kostet das: Das kleinste Boot bei Yachtcharter Schulz, die Saga26 für zwei Personen, gibt es für eine Woche ab 760 Euro. In den Sommermonaten lassen sich abhängig von der Verfügbarkeit auch kürzere Mietzeiträume vereinbaren.

Wo kann man mieten: Zum Beispiel bei Yachtcharter Schulz, An der Reeck 17, 17192 Waren, Tel. (03991) 12 14 15.

Müggelsee
Dass Berlin Seen hat, weiß man. Dass es in Berlin aber auch Berge gibt, ist für viele eine Überraschung. Die Müggelberge sind mit ihren 115 Metern zwar unspektakulär, aber immerhin die höchste Erhebung der Stadt. Und sie liegen am Müggelsee, dem größten Berliner See. Vom Müggelturm, der auf dem Kleinen Müggelberg steht, hat man eine wunderbare Aussicht – an klaren Tagen kann man die Silhouette der Stadt erkennen. Doch eigentlich fährt man zum Müggelsee, um die Sommerfrische zu genießen, um zu Segeln oder zu Schwimmen. Wer einen Kiosk, Toiletten und Umkleiden braucht, fährt ins im Strandbad Müggelsee (kostenlos). Das Strandbad ist ein wenig marode, die Diskussion, wer für die Kosten einer Renovierung der denkmalgeschützten Gebäude aufkommen kann und will, zieht sich schon seit Jahren hin. Dafür kommt man dort leicht vom Strand in den See. Schöner ist es aber, sich einen ruhigen Uferplatz zu suchen und von dort ins Wasser zu waten.

Wann am besten: An heißen Tagen unter der Woche von morgens bis in den frühen Abend.

Was nimmt man mit: Badelatschen, einen Sixpack, einen Beachvolleyball und Leihfahrräder.

Wie kommt man hin: Wer gut in Form und in der Umgebung Friedrichshain untergebracht ist, radelt. Für alle anderen hält die Tram 61 direkt am Strandbad.

Adresse: Strandbad Müggelsee, Fürstenwalder Damm 838, 12589 Berlin.

Jessica Braun für Blond 08/08

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