Bali: Es gibt Reis, Baby!

© Jessica Braun

Malen, kochen, beten: Bali ist nicht erst seit „Eat Pray Love“, dem Roman von Elizabeth Gilbert, die Insel der Sinnsucher. Fünf Tipps abseits der Trampelpfade.

Die Luft riecht wie ein Topf Milchreis, gewürzt mit einer Prise Jasmin. Ein Hahn kräht die Morgensonne an. Auf der staubigen Dorfstraße gehen Frauen in einer langen Reihe. Sie tragen Opfergaben, Pyramiden aus Blüten und Obst, und bunten Reiskuchen, aus denen Fleischspieße ragen. Ein Moped hupt, der Fahrer drängelt. Auf dem Rücksitz quetschen sich seine Frau und zwei Kinder zwischen ein Paket Palmblätter. Die Frau hält ihren Helm in der Hand und schreit in ihr Handy. Montagmorgen, Alltag auf der Insel der Götter.

„Bali ist wie ein seltener Schmetterling“, sagt Elizabeth Gilbert, „Es ist einer dieser Orte, von denen man nicht erwartet, sie noch irgendwo auf der Welt zu finden – trotzdem ist er da.“ Die Autorin des Bestsellers Eat Pray Love, dessen Verfilmung gerade in den Kinos anläuft, hat vier Monate auf der indonesischen Insel verbracht. Sie hat dort, wie sie schreibt, ihre innere Balance gefunden und ihren Mann José (im Buch Felipe) kennengelernt.

Lange bevor Gilbert die Insel für sich und damit für Tausende ihrer meist weiblichen Fans entdeckte, war Bali bereits ein beliebtes Reiseziel für Künstler, Surfer und Aussteiger. Während sich die Sonnenanbeter und Hippies am Strand von Kuta einrichteten, zog es die Künstler hinauf zu den Reisterrassen an den Hängen der Vulkane. Das kulturelle und spirituelle Leben in den Dörfern im Hinterland ist bis heute vom Massentourismus relativ unberührt geblieben.

„Bali ist eine Enklave des Hinduismus in Indonesien, diesem riesigen muslimischen Land. Dass es all die Jahre überdauert hat, ist Magie“, sagt Gilbert. Geister- und Götterglaube bestimmen tatsächlich den Tagesablauf auf der Insel. Balinesische Geschäftsmänner klagen, dass sie deswegen immer drei Mal mehr Personal brauchen – irgendein Ritual ist immer, die Angestellten sitzen häufiger im Tempel als am Schreibtisch. Selbst in den Dependancen internationaler Hotelketten an den Stränden von Sanur oder auf der Halbinsel Nusa Dua stehen Schreine, vor denen die Hotelangestellten Opferkistchen aus Palmblättern abstellen. Ob jemand dabei zusieht, spielt keine Rolle.

Natürlich ist die Globalisierung auch auf Bali sichtbar. Doch selbst Starbucks- und McDonalds-Filialen ändern nichts an der Eigentümlichkeit der Insel. „Die Balinesen sind so fest verwurzelt in ihrer Kultur und ihrem Glauben, dass man keine Angst haben muss, als Tourist zu viel Westen einzuschleppen – die Balinesen bedauern einen eher, weil man keiner von ihnen ist.“

Wer als Gast verstehen will, was es bedeutet, Balinese zu sein, der muss sich ein wenig abseits der touristischen Zentren bewegen. ZEIT ONLINE gibt fünf Tipps für einen Urlaub auf der Insel der Götter.

Wer auf Bali Yogastunden nehmen möchte, findet in nahezu allen größeren Orten Schulen und Lehrer. Die meisten davon haben sich jedoch im Städtchen Ubud angesiedelt. Ubud war früher ein verschlafenes Künstlerdorf in den Reisfeldern des Hinterlandes. Mittlerweile ist es eine esoterische Kopie Kutas, ohne Strand und Surfer, dafür mit Bioläden und Meditationsshops.

Unter Ubuds vielen Yoga-Angeboten gibt es eines mit sehr persönlichem Charakter: Etwa 15 Minuten Fahrtzeit außerhalb, am Rande eines Dorfes, liegt das Hotel Santi Mandala. Eine Brücke verbindet die im balinesischen Stil errichteten Bungalows. Sie sind entlang der Ufer eines Flusses gebaut, wo sich auch der Dorfalltag abspielt: Wäsche wird gewaschen, Kinder gebadet. Die Männer angeln. Morgens radeln die Kinder am Frühstücksraum vorbei zur Schule. Die Yogastunden finden ebenfalls am Fluss statt, der Lehrer stammt aus dem Dorf. Oft nehmen auch die Dorfbewohner und Hotelangestellten teil. Man sitzt in einer großen Gruppe oberhalb einer Schlucht, ein Wasserfall stürzt über die Felsen. Der Lehrer versucht, einem das Rückrat zu formen wie Knetmasse, es ist ungeheuer heiß und anstrengend. Hinterher ist man zufrieden wie Buddha.

Santi Mandala Villa & Spa, Br. Bucuan, Ds. Batuan, Sukawati Ubud, Gianyar, Bali. Tel. +62 361 297800, www.santimandalavilla.com

Wenn es Nacht wird in Kerambitan, also gegen sechs Uhr abends, dann huschen Diener entlang der Palastmauern und zünden die Fackeln an. Auf der Dorfstraße springen die Kinder vor Aufregung herum, die alten Leute drängen sich auf dem Bordstein: ein Fest im Haus des Fürsten!

Der Fürst ist der Nachfahre einer der früheren Herrscherdynastien der Insel. In seinem Palast, dem Puri Anyar, finden regelmäßig Empfänge und Zeremonien statt. Nach Voranmeldung dürfen auch Touristen daran teilnehmen. Ein Abend im Palast vermittelt einen Eindruck davon, wie auf Bali Feste im großen Stil gefeiert werden. Das Gamelan-Orchester spielt, die Familie des Fürsten hält Hof, es wird getanzt, in Trance gefallen und gegessen. Auf Wunsch arrangiert der Sohn des Fürsten, Ajoes Ngurah Agung Bagus Erawan, auch eine Trauungszeremonie im balinesischen Stil oder Begegnungen mit Heilern. (Dass man sich bei allen Exkursionen zu Tempeln und Palästen angemessen kleidet – auch als Mann mit Sarong und Schärpe, Arme bedeckt – versteht sich von selbst.)

Puri Anyar, Kerambitan, Tabanan, Bali. Tel. +62 361 7936974, reservations@balipurikerambitan.web.id oder purianyar@yahoo.com

Den vollständigen Text vom  23.09.2010 lesen Sie auf ZEIT ONLINE.

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