Green Camp auf dem Hurricane Festival: Helga hat hier Platzverbot

Das Armband mit der Aufschrift "Grüner Wohnen" berechtigte zur Nutzung des Green Camps.
© Jessica Braun

Seid doch mal still: Auf dem Hurricane-Festival konnten Besucher in diesem Jahr auf dem „grünen“ Campingplatz zelten – mit weniger Müllhaufen und mehr Ruhe.

Hinter dem Zaun hat die Party begonnen. Auf dem großen Campingplatz des Hurricane-Festivals im norddeutschen Scheeßel liegen am Freitagvormittag zwischen den Zelten kleine Müllhaufen. Aus einem Zelt schrubbt Heavy Metal: Panteras 5 Minutes Alone. Einen Bierdosenwurf weiter hält eine Gruppe Festival-Besucher mit ihrem Ghettoblaster und Songs von Bad Religion dagegen. Aus dem Absperrband, das die Wege und die Flächen für die Zelte kennzeichnen sollte, hat jemand ein kleines Kunstwerk geschnürt.

Verena Eisbrenner und Felix Schlott hatten sich einen Platz im Green Camp gesichert.

In Sichtweite davon stehen hinter einem anderen Zaun im sogenannten Green Camp Zelte in einer Reihe auf dem noch grünen Rasen. Der Festival-Besucher Felix Schlott sitzt mit seiner Zeltnachbarin Verena Eisbrenner beim späten Frühstück. „Gestern gab es eine kleine Demo draußen vor dem Zaun“, sagt Schlott. Noch 2010 war der Campingplatz, der jetzt Green Camp heißt, von den anderen Zeltplätzen des Festivals nicht zu unterscheiden. In diesem Jahr hat ihn der Veranstalter aber unter das Motto „Grüner wohnen“ gestellt. Es ist ein Versuch, den fröhlichen Festival-Wahnsinn ein wenig zu dämpfen: Wer hier übernachtet, verpflichtet sich, seinen Müll in die dafür vorgesehenen Container statt zwischen die Zelte zu werfen und nachts Ruhe zu halten. „Etwa 20 Leute haben gegen diese neue ‚Zwei-Klassen-Gesellschaft‘ protestiert,“ sagt Schlott. Kein ernst zu nehmender Protest: Wer wollte, konnte sich im Voraus kostenlos auf der Website des Hurricane-Festivals für das Green Camp anmelden. Und auch während des Festivals wurden noch Camper zugelassen.

Das Green Camp hat mit „grün“ im Sinne von ökologisch noch nicht viel zu tun: Der Müll soll nur entsorgt, aber nicht getrennt werden. Das Essen im Frühstückszelt ist so wenig bio wie auf dem Rest des Geländes. Aber für jene der mehr als 70.000 Festivalgänger, die am Ende der Party gerne ein paar Stunden schlafen möchten, können die strengeren Regeln das Wochenende schon angenehmer machen.

Geschrieben für ZEIT ONLINE am 21.06.2011. Den vollständigen Text finden Sie hier.

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