TV-Serie „Falling Skies“ – Außerirdisch schön

Steven Spielberg hat eine Serie produziert: Fast 6 Millionen Zuschauer sahen die US-Premiere des Sci-Fi-Spektakels „Falling Skies“. Jetzt startet die Serie in Deutschland.

Der Erstkontakt ist entscheidend. Der Moment, wenn der Zuschauer eines Science-Fiction-Films zum ersten Mal mit dem Unvorstellbaren konfrontiert wird: dem Aussehen eines Außerirdischen. Mit dieser Einstellung werden all die Fragen beantwortet, die einen im weiteren Verlauf der Handlung Nägel kauen lassen. Oder eben nicht. Ist der Außerirdische ein Geschöpf aus dem albtraumhaften Bestiarium eines HR Gigers? Ein flauschohriger Ewok? Glibbert er? Wird er die Erde besiedeln, sie gar zerstören? Oder will er doch nur telefonieren?

Steven Spielberg hat Erfahrung mit Außerirdischen. Und er weiß, wie man Spannung schafft und hält. Doch in seiner neuen Produktion, der Fernsehserie Falling Skies, lässt er dem Zuschauer keine Zeit, sich warmzugruseln. Nach knapp vier Minuten des Pilotfilms krabbeln die Außerirdischen, die Skitters, durch das Bild. Der große Angriff ist dann schon längst vorüber, die Welt in Bruchstücke zerlegt. Falling Skies beginnt, wenn andere Alien-Filme enden: sechs Monate nach der Invasion, in der Post-Apokalypse.

Von der Bevölkerung der USA sind nur noch Restbestände vorhanden. Die großen Städte wurden während der Landung der Außerirdischen zerstört, die Kommunikationswege unterbrochen. Noch wehrt sich die Menschheit – mit mäßigem Erfolg. Die Erwachsenen werden bei Sichtkontakt von den Mechs genannten Kampfrobotern der Gegner zu Tode gelasert. Arachnoide Implantate am Rückgrat zwingen die Kinder zu willenlosem Arbeitseinsatz. Rebellion – selbst jugendliche – hat keinen Platz in dieser neuen Welt.

In Massachusetts befindet sich unterdessen eine Gruppe von 200 Überlebenden auf dem Rückzug aus Boston. Sämtliche Lebensmittelvorräte in der Stadt sind aufgebraucht, die verbliebenen Kinder sollen in Sicherheit gebracht werden. Einer der Anführer ist der Geschichtslehrer Tom Mason (Noah Wyle). Der Angriff der Außerirdischen hat aus dem Familienvater einen Widerstandskämpfer gemacht. Seine Frau ist tot, sein Sohn Ben wurde von den Angreifern entführt. Während der Lehrer zwischen Spähaufträgen und Gefechten kaum Zeit hat, sich um seinen jüngsten Sohn Matt (Maxim Knight) zu kümmern, versucht sein ältester Sohn Hal (Drew Roy) schwer bewaffnet seinen eigenen Weg zu gehen. Die Konflikte, das ahnt man nach dem Piloten, entstehen weniger aus der Interaktion mit den Intergalaktischen. Sie sind, trotz opulenter Special-Effekte, eher hausgemacht: Liebeswirren in der Gruppe, Querelen zwischen Vater und Sohn, Machtgerangel, Abspaltung.

Noah Wyle spielt den militaristischen Familienvater mit Dreitagebart und künstlichem Schmutz im Gesicht engagiert, aber nicht überzeugend. Vor 17 Jahren war er als Dr. John Carter in Emergency Room zu sehen und so richtig vergessen lässt er einen das nicht. Seine Darstellung pendelt zwischen den vom Drehbuch vorgesehenen Facetten – dozierender Geschichtslehrer und Dad in Distress – wie seine Figur Tom Mason zwischen Guerillaeinsatz und Gutenachtgeschichte. Auch die anderen Charaktere der Serie haben, zumindest in den ersten beiden Folgen, so viel Tiefe wie der Blob.

Geschrieben für ZEIT ONLINE am 24.06.2011. Den vollständigen Text finden Sie hier.

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