„Glee“ als Film: Wir sind alle Loser!

Eine TV-Serie wird erst zur Konzert-Reihe und dann zum 3D-Konzert-Film. „Glee on Tour – Der 3D Film“ will an den Erfolg der Fernsehversion anknüpfen – und versagt.

Versager. Tausende. Sie recken ihre Finger zum L gespreizt in die Luft, feiern ihr Losertum. So etwas sieht man in amerikanischen Filmen sonst nicht. In Glee on Tour – Der 3D Film, einer Art Tournee-Film, geht es eigentlich nur um solche Bilder: fröhliche Außenseiter. Auf der Bühne, im Publikum, in den Klassenzimmern amerikanischer Highschools.

Glee on Tour – Der 3D Film ist ein Konzert-Film, der auf der TV-Serie Glee basiert. Glee heißt übersetzt Fröhlichkeit. Die Serie dreht sich um Jugendliche, die im Glee Club, dem Musical-Club ihrer Schule aufeinandertreffen – weil sie unbeliebt sind und sonst nirgends Anschluss finden.

In den USA ist die Serie durchaus erfolgreich. Noch erfolgreicher ist jedoch die Musik. Der Soundtrack wirkt familienverbindend: John Lennons Imagine, Journeys Don’t stop believing oder Rihannas Take a Bow werden neu interpretiert. Dass manche der Lieder mit zahnfleischiger Musical-Attitüde vorgetragen werden, stört kaum. Die Serie behandelt ihre Charaktere mit liebevoller Gehässigkeit. Die Momente, in denen die Teenager singen, sind die einzigen, in denen ihnen Würde und Größe zugestanden wird.

Folge für Folge kneift Glee in die Problemzonen der (amerikanischen) Gesellschaft: Der Umgang mit Teenagerschwangerschaft, mit Behinderung, mit Religionszugehörigkeit oder Übergewicht. Die besonders eifrigen Fans der Serie, die Gleeks, identifizieren sich genau damit. Sie sehen sich selbst in der Rolle der Unbeliebten. Durch die Serie fühlen sie sich in ihrem Anderssein verstanden und ernst genommen. So sehr, dass sie Kontakt zu ihren Vorbildern suchen – auch wenn diese nur fiktive Seriencharaktere sind.

Für den Serien-Erfinder Ryan Murphy lag es nahe, seine Darsteller in den Drehpausen auf Tournee zu schicken. Singen können sie. Für die erste US-Tour 2010 gab es nach wenigen Stunden keine Tickets mehr. Die zweite brachte 14 der Darsteller im Juni und Juli dieses Jahres auch nach Europa.

Glee on Tour – Der 3D Film soll den Fans das Gefühl geben, bei der Tour in der ersten Reihe zu sitzen. Für die Umsetzung wurde der Regisseur Kevin Tancharoen verpflichtet, der mit Fame – Der Weg zum Ruhm bereits einen teenagertauglichen Film vorzuweisen hatte. Wohl aus Mangel an realen Stars macht Tancharoen in seiner Dokumentation das Publikum, die Gleeks, zu den eigentlichen Hauptdarstellern – und damit den Film für jeden Nicht-Gleek unverständlich, uninteressant.

Geschrieben für ZEIT ONLINE am 21.09.2011. Den vollständigen Artikel lesen Sie hier.

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