Die Kunst der Verwandlung: Der Kulturmanager Jean Blaise

jean-blaise-grand-patron-du-tourisme-nantesEine Stadt hat ihren Mut verloren, ein Mann sucht eine Herausforderung. Beides zusammen erwies sich als Glücksfall für Nantes.

„Nantes ist eine Stadt, die nicht existiert”, echauffierte sich der Schriftsteller Philippe Forest bereits vor etwa zehn Jahren in einem Essay in Libération. Kinos und Bibliotheken würden schließen, so der Träger des französischen Kulturordens. Statt dessen herrsche eine von oben verordnete Kultur. „Festivals, die ablenken sollen.“ Alles nur Schau, ohne Substanz. „Folklore“, schimpfte Forest. Lieber würde er im Umland verzweifeln, als in Nantes zu leben. Trotzdem ist er geblieben – er lebt seit mittlerweile fast 20 Jahren in der Stadt an der Loire.

Wenn selbst die ärgsten Kritiker nicht von Nantes loskommen, kann nicht alles falsch sein, was der Kulturmanager Jean Blaise sich ausgedacht hat, um die Industriestadt attraktiver zu machen. Und ausgedacht, hat er sich eine Menge. Seit über 30 Jahren baut der studierte Literaturwissenschaftler Luftschlösser auf den Brachen der Hafenstadt. Man könnte sagen, er hat sie mit Spinnereien gerettet: mit gigantischen Robotern und Marionetten aus Holz und Stahl, mit Kunstwerken aus Licht und Klängen, mit Illusionen, wie man sie häufig im Zirkus findet, aber selten zwischen Kränen und Förderbändern. Seinen Arbeitsplatz hat er entsprechend gewählt, einen Industriepalast aus dem 19. Jahrhundert. Sonne fällt durch das Oberlicht in die Fabrikräume und durch das Fenster hinter dem monumentalen Keks, der an der Fassade klebt. Früher wurden hier LU-Butterkekse gebacken. Seit Blaise mit seiner Firma eingezogen ist, unterteilen Glas und Regale die Halle in offene Büros. An den Wänden lehnen Fotografien abgeschlossener Kunstprojekte. Auf karierten Sofas und am langen Küchentisch werden neue diskutiert. Blaise kommt hinter einer Bücherwand hervor. Er trägt ein kariertes Hemd unter einem schwarzen Baumwollpullover und eine Brille, deren schwarzer Rahmen seine Lachfalten kaum verdeckt. Der 62-jährige ist der Leiter von Le Voyage à Nantes. Das 2011 gegründete Unternehmen in öffentlicher Hand verwaltet gleichzeitig den Kultur- und Tourismussektor der Stadt – eine in Europa wahrscheinlich einzigartige Kombination. Während Tourismus gemeinhin als Wirtschaftsfaktor gilt, betrachten Städte ihre Kulturgüter oft mehr als Abschreibeobjekte. Die Fusion der beiden Sektoren unter einem Dach ist ein Signal: In Nantes ist Kultur keine Belastung für den Haushalt, sondern eine Einkommensquelle.

Den vollständigen Text finden Sie in brand eins 01/2014 oder hier: brandeins.de

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s