Tout de Suite! Drei Hotel-Butler im Interview

Im Carlyle Hotel bringt ein Butler das Parfum-Tablett auf die Zimmer.
Im Carlyle Hotel bringt ein Butler das Parfum-Tablett auf die Zimmer.

In Luxushotels gibt es inzwischen für jeden noch so speziellen Wunsch eigens ausgebildete Butler. Ich habe drei dieser Experten zu ihrem Job und ihren Erfahrungen befragt.

Waldo Hernandez, 40, Parfum-Concierge im New Yorker Hotel The Carlyle

Wieso sind Sie Parfum-Butler geworden? Konnten Sie Ihre Gäste nicht mehr riechen?

Im Gegenteil! Es kommt immer mal wieder vor, dass Gäste bei uns ankommen, deren Gepäck verloren gegangen ist. Wir bemühen uns dann, alles Notwendige für sie zu besorgen. Das Parfum ist eines der Sachen, die sie im Fall eines Gepäckverlusts am meisten vermissen. So kamen wir auf die Idee mit dem Parfum-Tablett.

Und das befindet sich in jedem Zimmer?

Nein, es ist ein Silbertablett mit sechs Herren- und sechs Damendüften, das immer in der Nähe der Rezeption steht. Wenn Gäste danach fragen, ziehe ich mir weiße Handschuhe über und bringe es ihnen auf ihr Zimmer.

Waldo Hernandez
Waldo Hernandez

Wer nutzt Ihren Service?

Unsere männlichen Gäste etwas häufiger als die weiblichen. Nicht immer haben diese ihr Gepäck verloren. Manche reisen auch nur mit Handgepäck und können ihren Duft wegen der strengen Auflagen an den Flughäfen nicht mitnehmen.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Parfums ausgewählt?

Es sind beliebte Düfte, die alle mit New York zu tun haben. Ralph Lauren hat hier seinen Firmensitz, deswegen bieten wir „Purple Label“ und „Polo“ an. Tom Ford ist einer unserer wiederkehrenden Gäste und sein „For Men“ – mein persönlicher Lieblingsduft – steht immer auf dem Tablett. Für Damen gibt es Parfums von Carolina Herrera und Vera Wang, die beide öfter bei uns wohnen.

Was ist, wenn ein Gast keinen der Düfte mag?

Das kommt vor. Gäste aus dem Nahen Osten mögen oft schwere Moschusdüfte. Wir kaufen dann etwas Passendes und bewahren es für ihren nächsten Besuch auf.

 

Marcello Ruisi, 38,  Kamin-Butler im Hotel Taj Boston

Marcello Ruisi
Marcello Ruisi

Wie viele Feuer machen Sie pro Tag?

Eine ganze Menge! Die Gäste rufen mich meist sofort an, wenn sie ihre Suite betreten.

Und dann bringen Sie einfach Holz zum Brennen.

Nein, verschiedene Anlässe erfordern verschiedene Feuer! In den Veranstaltungsräumen finden mal Hochzeiten, mal Meetings statt, und ich achte darauf, dass die Wärme des Kamins zur Kleidung der Gäste passt. Will ein Gast in seiner Suite nur eine halbe Stunde vor dem Kamin entspannen, bevor er zu einem Termin aufbricht, nehme ich ein Holz, das schnell brennt. Will ein Pärchen mit dem Knistern des Kamins einschlafen, sorge ich dafür, dass das Feuer bis zum Morgen hält. Die Gäste dürfen ihr Holz natürlich auch selbst aussuchen, wenn sie das möchten.

Welche Hölzer stehen zur Auswahl?

Unser gesamtes Holz kommt aus dem Bostoner Umland. Wir haben Birkenholz, das sehr schnell und mehrfarbig brennt und dabei hübsch knistert. Kirschholz brennt lange, glüht beständig und duftet angenehm. Eichenholz brennt langsam und gleichmäßig. Und Ahornholz verströmt einen süßen Duft und wärmt sehr schön.

Wie macht ein Profi wie Sie Feuer?

Ich baue das Holz erst von unten nach oben auf. Als Anzünder nehme ich etwas Kleinholz oder Birkenrinde und wickele diese in alte Zeitungen ein. Die zünde ich dann von beiden Seiten an. Darüber stelle ich vier Scheite x-förmig auf, damit die Luft zirkulieren kann.

Ist Ihr Job nicht brandgefährlich?

Das Hotel hat 42 Suiten und zwei Veranstaltungsräume mit Kaminen, das ist tatsächlich eine Besonderheit. Um all diese Kamine betreiben zu dürfen, muss jeder Butler ein Sicherheitstraining absolvieren und eine Prüfung ablegen. Ich habe gelernt, mit Feuerlöschern umzugehen, den Abzug zu kontrollieren und wie ich mich im Notfall zu verhalten habe. Diese Prüfung wird jährlich wiederholt. Es gab noch nie einen Zwischenfall.

 

Luu Van Trang, 30, Gepäck-Butler, im Hotel The Nam Hai, in Hoi An, Vietnam

Luu van Trang
Luu van Trang

Welche Eigenschaften muss man mitbringen, wenn man Gepäck-Butler werden will?

Leidenschaft, Geduld und etwas Geschick. Während der Ausbildung habe ich das Kofferpacken jeden Tag trainiert.

Wie gehen Sie beim Einpacken vor?

Erst stopfe ich die Schuhe mit Socken aus. Ich stecke sie einzeln in Schuhsäcke und lege sie unten in den Koffer, so, dass die Sohlen an den Rändern anliegen. Dann kommen die Kleidungsstücke. Schwere und dunkle Sachen platziere ich zuunterst. Empfindliche und leichte lege ich obenauf. Die Zwischenräume fülle ich mit Gürteln, Kosmetiktasche, Handtaschen und Unterwäsche. Zerbrechliche Sachen, Schmuck, Ausweise, Pässe, Bordkarten und Schlüssel lege ich für das Handgepäck zurecht.

Die ewige Frage: falten oder rollen?

Ich nutze beide Techniken! Wenn man Kleidung rollt, knittert sie nicht so sehr. Was auch hilft: Nicht zu viel in einen Koffer packen und die Kleidungsstücke einzeln flach und ungefaltet übereinanderlegen. Wenn man dazwischen Handtücher oder Seidenpapier schichtet, sehen die Sachen beim Auspacken fast aus wie frisch gebügelt.

Im Hotel steigen auch Prominente ab. Wem durften Sie denn schon mal in den Koffer schauen?

Ein Koffer ist mir in guter Erinnerung geblieben, er gehörte einem irischen Actionstar aus der Hollywood-A-Liga. Ich war erstaunt, wie ordentlich dieser war. Die meisten Gäste falten ihre Kleider so, dass deren Fläche etwa einem DIN-A4-Blatt entspricht. Die Sachen des Schauspielers waren jedoch viel kleiner zusammengelegt. Ich habe mir extra ein Foto gemacht, damit ich vor seiner Abreise alles wieder genauso einpacken konnte, wie es war. Seine spezielle Technik, Hemden zu falten, wende ich bis heute an.

Jessica Braun für Glamour im Oktober 2014

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