Helsinki: Die transparente Stadt

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Das Projekt Helsinkiennen.fi zeigt den Wandel der Stadt über die Jahrzehnte mittels historischer Fotos und Karten.

Können Sie sich vorstellen, dass eine Verwaltung all ihre Daten zugänglich macht? Helsinki zeigt, was passieren kann, wenn man die Angst davor verliert.

Wenn es etwas gibt, an das die Finnen gewöhnt sind, dann ist es Schnee. Trotzdem konnten die Bewohner von Helsinki bis vor Kurzem kaum etwas über die Folgen erfahren, wenn über Nacht mal wieder mehrere Tonnen Schnee vom Himmel gefallen waren: Wird das Räumfahrzeug rechtzeitig da sein? Wann verschwindet die Schneewand vor meiner Haustür, damit ich wieder raus kann? Seit vergangenem Winter hat das Rätselraten ein Ende. Da hat die Stadt Helsinki ihre Schneepflüge mit Sendern ausgestattet und zeigt deren Position auf einer digitalen Karte an. Nun kann jeder sehen, wie weit das nächste Räumfahrzeug entfernt ist, welche Route es fährt und sogar, ob es gerade den Fahrradweg oder die Straße räumt, ob es Salz streut oder Sand.

Niemand besitzt mehr Informationen über eine Stadt als die Stadt selbst. In den Archiven der Behörden lagern Geodaten, Statistiken und Forschungsergebnisse, und täglich sammeln Verwaltungen neue Daten: über die Altersstruktur, Bauvorhaben, Firmengründungen, Schulausgaben, Grünflächen. Gebündelt kann dieses Wissen den Kommunen helfen. Sie können beispielsweise effizienter planen, Steuergelder sparen und ihren Bürgern zusätzliche Leistungen bieten.

Für Unternehmer entstehen dadurch neue Geschäftsfelder, etwa durch Zugriff auf Bild- oder Kartenmaterial, das zuvor kostenpflichtig war, durch Wetter- und Verkehrsdaten oder Informationen über die Bevölkerungsstruktur in einzelnen Stadtvierteln.

Der Wert dieser Informationen lässt sich schwer in Euro beziffern. Doch die EU-Kommission geht von einem großen volkswirtschaftlichen Potenzial aus. Um das freizusetzen, müssen die vorhandenen Informationen jedoch vergleichbar sein. Sie müssen aufbereitet und der Öffentlichkeit kostenlos zugänglich gemacht werden: als Open Data. Helsinki macht das vorbildlich. Kaum eine andere Stadt setzt derart offensiv auf das Teilen von Wissen und Daten.

Die Stadt

Eine von denen, die daran arbeiten, das in Helsinki versammelte Wissen für jeden verfügbar zu machen, ist Tanja Lahti. Die 40-Jährige arbeitet für das Statistikamt der Stadt. Seit mehr als 100 Jahren trägt es Informationen über die Lebensumstände der Bürger zusammen. 15 Kilometer Akten lagern in den Archiven. Doch diese ergeben kein vollständiges Bild. Mit 620 000 Einwohnern ist Helsinki zwar die größte Stadt des Landes, in den 14 Kommunen des dicht besiedelten Umlandes leben jedoch mehr als 1,4 Millionen Menschen. Um zum Beispiel Aussagen über die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln oder die Auslastung von Krankenhäusern treffen zu können, mussten die Behörden über die Stadtgrenze hinausdenken.

Lahti ist für ein Projekt verantwortlich, das insgesamt vier Kommunen der Region umfasst und Helsinki Region Infoshare heißt. Mit zehn Mitarbeitern sucht sie in den Verwaltungen von Helsinki, Espoo, Vantaa und Kauniainen nach interessanten Dokumenten und hilft den Urhebern dabei, diese aufzubereiten. Budget pro Jahr: lediglich 60 000 Euro. Mehr als 1200 ausgewählte Datensets hat sie mit ihrem Team bereits ins Netz gestellt. Darunter Landkarten, Fotos und seitenweise Excel-Dateien mit Verwaltungsausgaben.

„Offene Daten können einer Kommune Geld sparen. Zum Beispiel indem Kosten transparent gemacht oder Ausgaben visualisiert werden“, sagt Tanja Lahti. Das leuchtet ein: Verschwendung blüht vor allem im Verborgenen. Als die Stadt Helsinki kürzlich Daten veröffentlichte, die jede einzelne von der Stadt bezahlte Dienstleistung zeigten, publizierte eine Tageszeitung eine ganze Serie dazu – und es gab eine Debatte in der Stadt, welche Gelder vernünftig verwendet würden und wo es sich zu sparen lohne. Eine solche öffentliche Diskussion wird durch Open Ahjo möglich, ein papierloses Kommunikations- und Verwaltungssystem, das 2011 eingeführt wurde. Seit 2013 sind alle mit Open Ahjo erstellten Datensätze öffentlich zugänglich. Jeder Antrag, jeder Beschluss in der Verwaltung ist für Firmen und Bürger einsehbar.

Um den vollständigen Text zu lesen, besuchen Sie bitte die Webseite von brand eins.

Jessica Braun für brand eins 01/2016.

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