Madhya Pradesh: Auf Mowglis Abenteuerspielplatz

IndienIm indischen Bundesstaat Madhya Pradesh kann man tief in die Welt des „Dschungelbuchs“ eintauchen. Wo Rudyard Kipling seine berühmten Erzählungen ansiedelte, laufen die Tiger noch immer frei herum. Beim Trekking ist man unbewaffnet unterwegs.

Ein kleiner Wall aus Steinen und Ästen, davor ein paar leere Plastikflaschen: Der Schrein der Banjari Mata, der indischen Waldgöttin, ist unscheinbar. Gerade will ich die Plastikflaschen in meinen Rucksack packen – dass die Leute aber auch überall ihren Müll hinschmeißen müssen! Da hält mich Chinmay, mein Guide, zurück. Den Schrein haben die Gond, die Ureinwohner des indischen Bundesstaates Madhya Pradesh, hier am Rande des Dschungels errichtet. „Sie besitzen nicht viel. Deswegen opfern sie der Göttin, was sie gerade zur Verfügung haben.“ Meist nur einen Stock und einen Stein. Manchmal aber auch einen kostbaren Schluck Trinkwasser – samt Flasche. „Sie bitten um Schutz vor wilden Tieren, wenn sie zum Sammeln von Feuerholz in den Dschungel gehen.“

Zögernd betrachte ich den Schrein. Sollte ich auch um Beistand bitten? Eigentlich bin ich hierher, in den Satpura-Nationalpark gekommen, weil ich den Dschungel aus Mowglis Perspektive erleben will: für ein paar Tage meine Welt verlassen, in die Wildnis und die Geschichten von Rudyard Kipling eintauchen. Im Grunde müsste ich also darauf hoffen, während meiner Pirsch möglichst vielen und auch großen Tieren zu begegnen. Andererseits, schon klar: Der Dschungel ist kein Streichelzoo. Und Chinmay erzählt auch gleich, wie eine seiner Touristengruppen mal von einem Lippenbären angegriffen wurde: „Wir sind gerannt, so schnell wir konnten! Zum Glück ist das Tier abgedreht. Ein wütender Bär folgt einem oft über mehrere Kilometer.“ Wir wollen heute noch 16 Kilometer wandern. Die möchte ich ungern mit einem Bären an den Hacken joggen. Mit der stummen Bitte um Schutz lege ich der Banjari Mata also Stock und Stein auf den Schrein. Und bitte sie gleichzeitig, wenigstens jede Menge friedliche Waldbewohner treffen zu dürfen.

Gerade ist Disneys Neuverfilmung des Dschungelbuchs im Kino angelaufen, fast 50 Jahre nach der Zeichentrickversion. Beide basieren auf den zwei Dschungelbüchern von Rudyard Kipling. Die liebte ich als Kind – und besonders die Geschichten von Mowgli, dem Jungen im indischen Dschungel, der von Wölfen aufgezogen wird. Das Rudel schützt ihn vor dem Tiger Shere Khan. Hilfe erhält es dabei von dem strengen Bären Baloo und einem allseits gefürchteten seidenen Schatten: dem schwarzen Panther Bagheera. Die beiden bringen dem Menschenkind die Gesetze des Dschungels, die Sprachen seiner Bewohner und das Jagen bei.

Noch heute begeistern mich Kiplings Schilderungen des wilden Lebens und gnadenlosen Sterbens im Dschungel. Seine Figuren sind abgründiger als in den Filmen. Der neue, computeranimierte Bagheera lässt zwar wunderbar die Muskeln spielen, ist aber eigentlich ein ganz schöner Spießer. Bei Kipling dagegen bleiben die Tiere trotz ihrer Zuneigung eine ständige Bedrohung für Mowgli. Und er für sie: Durch seine Anwesenheit verwandelt er die Wildnis, die er liebt. Mensch und Natur, das ist bei Kipling eine komplizierte Beziehung.

IndienWer Mowglis Welt so nah wie möglich kommen will, der besucht am besten den Satpura-Nationalpark. Er liegt in Madhya Pradesh, wo Kipling seine Dschungelerzählungen ansiedelte. Und er ist der einzige in ganz Indien, in dem man nicht nur in Jeeps um die Wasserlöcher kurvt. Hier darf man auch mehrtägige geführte Wanderungen mit Zeltübernachtung unternehmen – zu Fuß durch die Natur streifen, ein bisschen wie Mowgli.

52 Tiger, etwa 80 Lippenbären und 100 Leoparden sollen im Park leben. Aber meine Führer sind unbewaffnet und machen nicht den Eindruck, als seien sie auf der Hut. Sie schreiten munter aus, und wenn ich stehen bleibe, um zu trinken, muss ich anschließend zusehen, dass ich sie wieder einhole. Der 26-jährige Tarban geht meist vorweg – ein schweigsamer, sehniger Gond, der in der Region aufgewachsen ist und das Zetern der Vögel und der Affen deuten kann. Chinmay, mein Naturführer, sieht mit dem dunklen Oberlippenflaum und der randlosen Brille aus wie ein Tech-Student. Der 28-Jährige hat auch tatsächlich Informatik studiert, wollte dann aber „doch nicht tagein, tagaus vor einem Bildschirm sitzen“. Gegen den Wunsch seiner Eltern zog er die Ausbildung zum Wildnisguide durch – und weiß jetzt mindestens so viel über den Dschungel wie Baloo.

Von unserem Ausgangspunkt, der nahe der Stadt Pachmarhi auf einer Höhe von über 1.000 Metern liegt, folgen wir einem Trail bergab. Trockene Teakblätter in der Größe von Möbelkatalogen bedecken den Boden, darunter liegt Geröll. Kein Schritt, den wir machen, ist sicher. Über uns türmen sich rote Sandsteinklippen. Unter uns liegen Hügel und Ebenen, überzogen mit dem Grünbraun eines kargen Winterwaldes: Haine aus Sal- und Teakbäumen, die nur wenig Schatten bieten. Um zehn Uhr morgens herrschen schon mehr als 30 Grad. Es ist März, Beginn der heißen Jahreszeit, über die Kipling schreibt: „Zoll für Zoll kroch die übermäßige Hitze bis in das Herz des Dschungels und sengte alles gelb, braun und zuletzt schwarz.“ Nicht alles, denke ich: Durch das Geäst schimmert es in Vibrato, Vert Obscur und Mediterraneé – Chanels Nagellack-Sommerfarben. „Das ist eine Hinduracke“, sagt Chinmay. Der Vogel beäugt uns skeptisch, bevor er sich mit einem spöttischen Kommentar über das fell- und federlose Pack davonmacht.

IndienKurz darauf bleibe ich stehen, um eine Schlingpflanze zu untersuchen, die sich pythongleich um einen Baumstamm ringelt. Und plötzlich, als hätte ich ein Auge zwischen den Schulterblättern, weiß ich: Jemand beobachtet mich. Langsam drehe ich mich um. Und schaue in ein kohlefarbenes Gesicht. Ein Hanuman-Langur sitzt auf einem Stein, ein seidig grauer Affe. Er hat die Größe und die hängenden Mundwinkel eines Kleinkinds, dem das Spielzeug weggenommen wurde. Ganz schön niedlich. Und scheu: Als ich die Kamera hebe, verschwindet er mit einem Satz hinter den Felsen. Und ich jogge mit schwankendem Rucksack los, um Tarban und Chinmay einzuholen.

Irgendwo in den Schatten jagen Bagheera und Shere Khan gerade ihr Abendessen

Abgesehen vom Krtschkrtsch unserer Schritte ist kein menschliches Geräusch zu hören. Nur der Klang des Dschungels, ein Zwitschern und Summen. Mir selbst spukt Disneys Ohrwurm im Kopf herum: Probier’s mal mit Gemütlichkeit. Gar nicht so einfach. An vielen Stellen ragen scharfkantige Gräser und Dornenranken in unseren Weg. „Du blutest da“, sagt Chinmay, als wir im Schatten eines Mangobaums verschnaufen. „Und da. Und da.“ Ich bin so zerkratzt, als hätte ich beim Ringen gegen ein Stachelschwein verloren. Aber auch ein wenig stolz: Sich der Wildnis auszusetzen hinterlässt eben Spuren. Mowgli muss am ganzen Körper Hornhaut gehabt haben. Sonst wäre das „nackte, kleine Etwas“ wohl kaum so „lustig und unbekümmert“ zu den Wölfen gekrabbelt, wie es Kipling beschreibt.

Aber was wusste der verwöhnte Autor schon von den Strapazen einer Wanderung im Satpura-Gebirge? In seinen Memoiren erinnerte er sich besonders gerne daran, wie ihn sein indischer Diener noch vor dem Aufwachen rasierte. Und den Bundesstaat Madhya Pradesh kannte er selbst nur aus Erzählungen. Der britische Lehrersohn war 1865 in Bombay zur Welt gekommen. Schon mit sechs Jahren schulten ihn seine Eltern der besseren Bildung wegen im fernen England ein, wo er unter der strengen Erziehung seiner Pflegemutter litt. Erst als junger Erwachsener reiste Kipling für einige Jahre zurück in sein Sehnsuchtsland Indien, machte dort Karriere als Journalist, zog später wieder nach England, dann in die USA und nach Südafrika. Doch nirgends fand er wirklich eine Heimat. Genau wie Mowgli, der als Mensch im Dschungel aufwächst – und sich daher weder in der Zivilisation noch in der Wildnis wirklich zu Hause fühlt.

Verortet hat der Autor die Geschichte seines Alter Egos ganz in der Nähe. Das Wolfsrudel, das Mowgli aufnimmt, heißt Seoni wie die Stadt etwa 100 Kilometer von hier. Die Vorlage für Mowglis Geschichte lieferte Kipling ein Militärbericht von 1858 über kleine Kinder, die von Wölfen verschleppt worden waren. Einige landeten angeblich in der Obhut von Wölfinnen. Beweise dafür gab es allerdings nicht.

Gegen Mittag klettern wir auf einen Hügel. Dort hat man einen herrlichen Blick auf Kanji Ghat, ein weites Tal mit Palmen und grünen Wäldern. Zwischen Felsen gurgelt ein Bach. Ganz schön Disney – und viel zu lauschig, um gleich weiterzugehen. Ich tauche meine nackten Füße ins Wasser. Bestaune die bunten Schmetterlinge, die durch die Luft trudeln. „Warum dürfen wir hier eigentlich wandern“, frage ich Chimnay, der neben mir sitzt, „und das auch noch ohne Waffe?“ Immerhin gehört Madhya Pradesh zu den Bundesstaaten mit der größten Tigerpopulation. „Tiger sind eh menschenscheu, und hier können sie uns gut aus dem Weg gehen“, sagt Chinmay: „Das Gelände hat mehr Rückzugsorte als andere Parks.“ Das heißt also, wir werden Shere Khan kaum zu Gesicht bekommen. Und auch was Baloo betrifft, macht Chinmay mir wenig Hoffnungen. Da bin ich nun doch etwas enttäuscht. Trotz Chinmays Warnung vor dem Jähzorn der Lippenbären hätte ich so einen plüschohrigen Zottelkopf gern wenigstens von Weitem beobachtet.

Indien„Habt ihr die Rothunde gesehen?“, begrüßt uns später auch noch der Campleiter, als wir in der Dämmerung den Fluss Denwa erreichen. „Ein ganzes Rudel hat dahinten, wo ihr herkommt, getrunken. Ihr müsst sie um wenige Minuten verpasst haben!“ Als ich mich umschaue, finde ich das nicht mehr so tragisch: Was für ein Camp erwartet uns da! Während wir gewandert sind, haben Männer mit Jeeps unser Gepäck in den Wald gekarrt, Zelte aufgebaut, ein Lagerfeuer gemacht, gekocht und für Chinmay und mich hinter Planen je einen mit Flusswasser gefüllten Sack aufgehängt. Ein Dschungel-Spa!

Ich dusche unterm Halbmond, während es aus dem Wald ringsum fiept und gluckst. Dazwischen ein Autoalarm: der Ruf der Hindunachtschwalbe. Dann laufe ich zum Fluss, wo ein Tisch mit Porzellan und Kristall gedeckt ist. Wir essen mit Blick aufs dunkelgraue Wasser, den schwarzen Wald und die Bergsilhouetten dahinter. Irgendwo in den Schatten jagen Bagheera und Shere Khan vielleicht gerade ihr eigenes Abendessen.

„Welchen Dschungelbuch-Charakter magst du am liebsten?“, frage ich Chinmay. „Den Python Kaa“, sagt er. „Ich liebe Schlangen. Ihre Ruhe, ihre Schnelligkeit!“ Schon als Kind hat er alles über sie gelesen und ihr Verhalten studiert. Heute arbeitet er unentgeltlich als Schlangenfänger: Wenn Ottern oder Vipern sich in die Häuser verirren, rufen Einheimische Chinmay an. Er fängt die unerwünschten Besucher dann ein und setzt sie im Grünen wieder aus. „Einmal hat mich eine Kobra an der Hand erwischt“, sagt er. Der Biss hätte ihn fast das Leben gekostet. An seiner Liebe zu Schlangen änderte das aber nichts: „Tiere greifen einen ja meist nur an, wenn man ihnen zu nahe kommt. Weil sie sich bedroht fühlen, man ihnen den Fluchtweg oder den Zugang zur Beute versperrt.“

Ich muss an die Beziehung zwischen Menschen und Tieren bei Kipling denken. An die Gefährdung, die jede Seite für die andere darstellt. Nationalparks sollen helfen, das Problem zu lösen, indem sie eine Grenze ziehen. Doch für die Dschungelbewohner ist deren Verlauf nicht offensichtlich: In Indien tauchen Wölfe oft in der Nähe von Dörfern auf, weil sie dort im Müll Futter finden.

IndienDass auch unser kleiner Expeditionstrupp die Grenze übertreten hat, wird mir überdeutlich bewusst, als mich mitten in der Nacht ein Schnauben weckt. Ich lausche ins Dunkel. Das Kastagnettengeklapper der Frösche ist verstummt. Etwas Großes bewegt sich ums Zelt. Streift die Plane. Mein Herz rast. Ich liege still und bemühe mich, meinen Atem zu kontrollieren. „Niemand im Dschungel ist vor Angst gefeit“ – Worte des uralten Dschungelbuch-Elefanten Hathi. Und wer seine Beute normalerweise im Bioladen jagt und Google Maps braucht, um die Route zur Tränke zu finden, ist es erst recht nicht. Was weiß ich ohne Chimnay schon über die Gesetze des Dschungels? Über die Reißfestigkeit von Zeltplanen bei einer Attacke durch Tigerkrallen? Hätte ich die Banjari Mata bloß deutlicher um Schutz gebeten!

Am Morgen, im ersten rosafarbenen Tageslicht, suche ich nach Raubtierspuren im Ufersand, finde aber nur eine Art Hufabdrücke. „Rinder“, sagt Chinmay: „Hier im Dschungel sind ein paar entlaufene Kühe unterwegs – und domestizierte Wasserbüffel, die frei herumstreifen dürfen.“ Dann grinst er amüsiert: „Was dachtest du denn, wer letzte Nacht hier war?“ Und ahmt spöttisch ein Tigergrollen nach.

Doch noch bevor wir zum zweiten Tagesmarsch aufbrechen, bringt Tarban Nachrichten von der Parkverwaltung: Ein Tiger war ganz in der Nähe! Er soll einen Büffel gerissen haben, etwa zwei Kilometer den Fluss hinauf. Nach der letzten Nacht ist es mir sehr recht, ihn nicht beim Frühstück zu stören. Wir beschließen, nicht wie geplant dem Fluss zu folgen. Stattdessen wollen wir über den Berg hinter dem Camp klettern, auf dessen Gipfel sich etwas bewegt: Makaken.

In den Pausen döse ich wie ein Wolf unter den Büschen

Wir müssen es wie die Affen machen und uns einen Weg durchs Unterholz bahnen. Der Grat, dem wir dabei folgen, ist so steil, dass wir uns oft an Felsen oder Büschen hochziehen müssen. Manche Äste splittern bei der ersten Berührung. Anstrengend ist das. Gleichzeitig fühle ich mich aber, je weiter wir das Camp hinter uns lassen, immer mehr wie ein Entdecker: unterwegs auf unberührtem Terrain. Aus dieser Gegend gibt es weder Instagram-Bilder noch TripAdvisor-Bewertungen; in diesem Unterholz sind wir bestimmt die ersten Menschen.

Etwas rauscht über mich hinweg. Ein Adler, aus seinem Nest aufgeschreckt. „Gute Jagd!“, denke ich – das ist bei Kipling der Dschungelgruß. Da trete ich fast auf eine Hand. Das Überbleibsel eines Affen. Die schwarzen Finger sind gekrümmt, der abgetrennte Arm ist bis auf die Knochen abgenagt. „Leopard“, identifiziert Tarban den Täter. Und wo ist der jetzt? „Wahrscheinlich hat er sich in der Nähe eine Kuhle für sein Verdauungsschläfchen gesucht.“ Energisch weist Tarban mit dem Kopf Richtung Gipfel: weitergehen! Während ich hinter ihm herklettere, werde ich wieder das Gefühl nicht los, dass mich jemand beobachtet. Mein erwachter Dschungelsinn? Oder einfach zu wenig Schlaf letzte Nacht?

IndienZerkratzt und verschwitzt erreichen wir schließlich das Plateau. Wer hätte gedacht, dass der Blick von dort noch atemberaubender sein würde als der Aufstieg? Egal, in welche Richtung ich schaue: Dschungel. Es ist, als könnte ich bis zum Ende des Kontinents sehen. Welch ein Freiheitsgefühl!

Zurück im Tal, entdecken wir am Ufer des Denwa frische Tierspuren: Kuh, Sambarhirsch, Leopard, Tiger. Großer, großer Tiger! Die Tatzen des Männchens haben dreimal tiefere Abdrücke hinterlassen als die Klauen der Kuh. Seine Spur führt flussabwärts, das ist auch unsere Richtung. Doch mittlerweile habe ich mich fast daran gewöhnt, von gut getarnten Raubtieren umgeben zu sein. Ich kann sie zwar nicht sehen, aber sie mich – da bin ich sicher. Und dankbar, dass sie mich in ihrem Reich passieren lassen.

Ein bisschen fühle ich mich inzwischen sogar selbst wie ein Dschungelbewohner. Zusammen mit Tarban pflücke ich holzig-bittere Beeren, nasche vom Wald. Ich zerreibe die Blätter eines Strauchs, der nach Bergamotte riecht, streiche mit ihrem Sekret Arme und Beine ein, schmiere mir den Dschungel auf die Haut: natürliche Mückenabwehr. In den Pausen döse ich wie ein Wolf unter den Büschen, während mal Chinmay, mal Tarban Wache hält. Kiplings „freies Dschungelvolk“, das sind wir – unser kleines Rudel.

IndienDie Nacht holt mich zurück auf den Boden der Tatsachen: wieder Schnauben. Wieder Scharren. Ich versuche mir einzureden, ich sei Mowgli. Ziehe mir dann aber, statt nach draußen zu schauen, lieber die Decke über den Kopf.

Beim letzten Frühstück erreicht uns erneut der Waldfunk: Der Büffel gestern wurde vom Tiger doch nicht getötet, nur verwundet. Die Herde ist dem Angreifer Schulter an Schulter gegenübergetreten. Schwer verletzt konnte sich der Büffel ins Dorf schleppen. Ein echtes Disney-Ende. Auch uns gibt der Dschungel wieder frei. Wohlbehalten – aber mit genug Kratzern und Schürfwunden, dass ich zu Hause angeben kann.

Ganz ohne Abschiedsgruß lässt mich die Banjari Mata dann doch nicht ziehen. Als mich der Taxifahrer daheim in Berlin vor der Wohnung absetzt und ich im Dunkeln nach dem Hausschlüssel krame, ist da plötzlich wieder dieses Gefühl: Jemand beobachtet mich! Langsam, ganz langsam drehe ich mich um: Ein Rotfuchs steht zwischen den Autos. Seine sandfarbenen Augen reflektieren das Licht aus dem Schaufenster nebenan. Dann senkt er witternd die weiße Schnauze und trabt davon. „Gute Jagd!“, flüstere ich, bevor ich die Haustür hinter mir zuziehe.Indien

Reiseinfos Satpura Nationalpark
Nationalpark: Seit 1981 ist das 1427 km2 große Areal ausgewiesenes Schutzgebiet. Zwar gibt es im Reservat Tiger, häufiger gesichtet werden jedoch Leoparden, Lippenbären, Hirschziegenantilopen, Sambarhirsche, Rothunde, Gauren, Königsriesenhörnchen und Krokodile. satpura-national-park.com
Unterkunft: Die Öko-Lodge Denwa Backwater Escape liegt am Rande des Satpura-Nationalparks. Von den Cottages hat man einen Blick auf den Denwa und die Berge. Cottage ab 220 Euro inklusive aller Mahlzeiten, mit Jeep-Safaris ab 360 Euro. Die Lodge wird ganzjährig betrieben. Beste Reisezeit: Oktober bis Juni, wenn auch der Nationalpark offen ist.
Trekking: Von November bis März organisiert der auf nachhaltige Safaris spezialisierte Veranstalter Pugdundee Safaris mehrtägige Wandertouren durch das Satpura-Tiger- Reservat. Übernachtet wird in großräumigen Zelten mit eigener Dusche und Toilette. Im Preis von 530 Euro pro Nacht und Person sind ein Guide, ein englischsprachiger Naturführer, der Park-Eintritt, Mahlzeiten und Wasser enthalten. Mindestteilnehmerzahl sind 4 Personen, Mindestdauer 3 Nächte. Weitere Informationen über pugdundeesafaris.com. Pugdundee Safaris ist Mitglied der Organisation Travel Operators for Tigers, die sich für den Artenschutz und nachhaltigen Tourismus engagiert.

Jessica Braun für die ZEIT Nr. 19 vom 28.4.2016.

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